Kennzahlen sind beliebt bei allen, die sich einen Sachverhalt nicht im Detail anschauen wollen, aber trotzdem ein gewisses Maß an Kontrolle darüber ausüben wollen. Natürlich birgt dies die Gefahr, dass dabei unangemessen vereinfacht wird und falsche Entscheidungen getroffen werden. Gunter Dueck hat in einem wunderbar geschriebenem Artikel noch eine ganz andere Kategorie von Kennzahlenmissbrauch beschrieben. Kennzahlen, die als Schwellwerte, bzw. Grenzwerte gedacht sind, die nicht überschritten werden sollen, mutieren zu Zielwerten, die von den betroffenen möglichst genau angenähert werden:

genau wie wir im Ort immer genau 50 vor den Radarfallen fahren


Richtig übel wird das erst, wenn die Kennzahl die fein an ihrer Grenze justiert ist, durch einen äußeren Einfluss über die Grenze geschoben wird. Dann tritt der Autofahrer voll auf die Bremse und der hinter ihm hat ein Problem.
Die Kennzahl, oder das Kennzahlensystem welches Gunter Dueck analysiert ist geringfügig einflussreicher als das lokale Tempolimit: Basel II. Tatsächlich führt er einen erheblichen Teil der Immobilienkrise auf Basel II zurück:

Wir sehen auch, dass die Regeln der Finanzmärkte zusammen mit den Am-Limit-Strategien dazu führen, dass es nun bei jedem Immobilien-oder-was-weiß-ich-Umschwung zu einer gigantischen Finanzkrise kommen muss.


Wenn also mal wieder der Controller Kennzahlen haben will, oder frau selbst welche suchst, prüfe gründlich:


Idealerweise sollten Kennzahlen eh nur als Indikator für potentielle Probleme genutzt werden und keine automatische Reaktion, außer einer genaueren manuellen Untersuchung auslösen.