Von den hunderten Artikeln die ich in der Spektrum der Wissenschaft bisher gelesen habe, gibt es nur wenige, an dessen zentrale Aussage ich mich konkret und immer wieder erinnern kann: Auswahl macht unglücklich. Der Artikel beschrieb das folgende Experiment:

Versuchpersonen wurden zu einem völlig nebensächlichem psychologischen Experiment eingeladen. Als kleines Dankeschön bekam die eine Hälfte einen kleinen Gegenstand von geringem Wert, einem Bleistift, wenn ich mich recht entsinne. Die anderen hatten die Wahl zwischen eben diesem Bleistift, einem Anspitzer oder einem Radiergummi. Alles in etwa von gleichem Wert. Schließlich wurden alle danach gefragt, wie zufrieden Sie mit dem Dankeschön waren. Ãœberraschender Weise war die erste Gruppe statistisch signifikant zufriedener!

Genau diesen Effekt beschreibt auch Barry Schwartz bei TED (ich vermute er war auch bei dem oben erwähnten Artikel beteiligt).

Ist das wirklich so überraschend? Schon mal einen Gutschein geschenkt bekommen? Siehste.

Aber welche Bedeutung hat das für uns? Als Projektleiter und Softwareentwickler? Als Mitarbeiter oder Vorgesetzter?

Trefft die Entscheidungen. Wenn ihr einen Kollegen belohnen wollt, drückt ihm nicht 100Euro in die Hand. Besorgt ein Geschenk!
Fragt den Kunden nicht wie die GUI aussehen soll, sondern hört zu, was er braucht und sagt ihm dann wie die GUI aussehen wird. Dafür bezahlt er.
Baut keine Frameworks, mit denen man alles auf 100 Weisen machen kann. Baut ein Framework, dass eine Sache auf eine Weise hervorragend macht und sich bei allem anderen vornehm zurück hält.
Diskutiert nicht über Codestandards. Legt sie fest.

Zu jeder Aufgabe gehören Entscheidungen die getroffen werden müssen. Trefft sie. Auch wenn es sich nicht so anfühlt, es ist ein kleiner Schritt eure Kollegen glücklicher zu machen.

Wie immer kann man natürlich auch dies übertreiben. Wer Entscheidungen jenseits seiner Kompetenzgrenzen (im Sinne von Befähigung oder Berechtigung) trifft, wird weder sich noch andere damit glücklich machen.